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Skoliosekorsett |
Korsetttherapie - warum?
Man geht in der Skoliosebehandlung davon aus, dass der Erfolg einer Behandlung im Wesentlichen von einer guten Korrektur der Krümmungen abhängt, und das man die Behandlung mit einem Korsett möglichst frühzeitig veranlassen sollte.
In der Wachtstumsphase kann es um Wochen gehen, sodass die Anschulung und Versorgung mit einem korrigierenden Korsett möglichst innerhalb kürzester Zeit durchgeführt werden sollte. Eine Korsettbehandlung ist in der Skoliosebehandlung dann erforderlich, wenn zu befürchten ist, das krankengymnastische Maßnahmen alleine nicht ausreichen, um den Verkrümmungsprozeß im Wachstumsalter aufzuhalten.
Folgende Auflistung soll helfen hier einen Überblick über die Notwendigkeit zu erhalten:
• Krümmungsaufrichtung während der Behandlung bei fast allen Patienten als Bonus für den zu erwartenden weiteren Krümmungsverlauf
• Optische Aufwertung des gesamten Erscheinungsbildes durch Korrektur der Krümmungswinkel und Verdrehungen der Wirbelsäule
• Verhinderung und Verzögerung der Verkrümmungsverschlechterung.
• Nachweisbaren positiven Einfluss auf sekundäre Begleiterscheinungen wie z.B. Kieferverformungen , Beckenschiefstand, Körperhaltung, Bewegungsmuster usw.
• Nachgewiesene Verbesserung der Lungenfunktion
• Nachgewiesene Verbesserung der Herzfunktion
• Nachgewiesene Linderung von Schmerzbeschwerden und dadurch Verhütung von Spätfolgen
• Erhaltung und Wiedergewinnung der Erwerbs- oder Arbeitsfähigkeit
• Nachhaltige Verbesserung des Haltungs- und Bewegungsempfinden
• Verhinderung einer möglichen Wirbelsäulenoperation
• Vermeidung starker einseitiger Belastung der Wirbelkörper, die vorzeitigen Verschleiß und Abnutzung derselben mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen im späteren Leben hervorruft
Ziel der Versorgung
Ziel einer Korsettbehandlung ist es die Krümmungsprogredienz (Verschlechterung) aufzuhalten, zurückzudrängen und bestmöglich zu korrigieren und natürlich eine Wirbelsäulen-Operation zu verhindern.
Behandlungsziele:
• Aufhalten der Progredienz (Verschlechterung) und bestmögliche Korrektur der Skoliose
• Verbesserung und Stabilisierung der Leistungsfähigkeit (sowie Erhaltung der Erwerbsfähigkeit)
• Schmerzbewältigung bei fortgeschrittenen Formen, Vermeidung von Sekundärschäden und Verbesserung der Langzeitprognose
• Verbesserung der Lebensqualität
• Akzeptanz und Identifikation mit dem körperlichen und psychischen Leiden, da sowohl Erkrankung als auch notwendige therapeutische Konsequenzen (z.B. Korsettversorgung) eine hohe psychische Belastung darstellen
• Konditionierung und mögliche Normalisierung motorischer Funktionen (Haltungsschulung, Verbesserung des Haltungsgefühls, Aufrichtung und Aufdrehung der Wirbelsäule)
• Schulung der Körperwahrnehmung, Muskelkräftigung der erreichten Haltungskorrektur und alltagstaugliche Stabilisierung
• Verzögerung oder Vermeidung eines operativen Eingriffes
• Reintegration in Beruf, Schule, Ausbildung, Familie und Gesellschaft
Das Ziel der Orthesenbehandlung ist eine Verringerung oder ein Stopp der Progredienz und damit eine positive Beeinflussung des natürlichen Verlaufes zu erreichen.
Der Idealfall
Die ideale Versorgung einer Skoliose mit einer Orthese, ist ein Hilfsmittel welches den Körper nur an den Stellen bedeckt und Kräfte wirken lässt, wo der Korrekturdruck auch wirklich erforderlich ist.
Alle anderen Bereiche sollten offen und frei bleiben für Bewegungen, die die bestehende Deformität nicht weiter vergrößern.
Die ideale Orthese zwängt auch den Brustkorb nicht ein. Sie lässt die vollständige Ausdehnung des Brustkorbs zu, so dass die jungen Patienten jede Art von Sport, sogar Leistungssport, betreiben können.
Ein Blick auf die vielfältigen Ausführungen und Gestaltungsmöglichkeiten von Rumpforthesen genügt, um zu sehen, wie wenig man darauf bedacht ist, sich diesem Ideal zu nähern. In einigen Fällen sind die Einengungen wirklich schockierend und eigentlich heutzutage nicht mehr akzeptierbar. Letztendlich gilt es, den Patienten ständig als Ganzes im Auge zu haben und sich nicht nur auf den Cobb’schen Winkel der a-p Röntgenaufnahme zu beschränken.
Die ideale Orthese muss weiterhin die Bildung oder Verschlimmerung einer thorakalen Lordose(Flachrücken) vermeiden. Sie darf die Lungenfunktion nicht beeinträchtigen; sie darf die Nierenfunktion nicht beeinträchtigen; sie darf die Funktion des Magen- Darm-Traktes nicht beeinträchtigen.
Auch sollte großen Wert auf das äußere (kosmetische) Erscheinungsbild der Trägerin (meistens) gelegt werden, um eine Akzeptanz des Hilfsmittels durch die Trägerin zu gewährleisten.
Das beste Korsett nutzt nichts, wenn es nicht aktiv und ausdauernd getragen wird. Rumpforthesen sind deshalb ständig weiterzuentwickeln. Mit geringer Qualität sollte man sich nicht begnügen.
Unser Motto lautet: „Größtmögliche Korrektur unter kleinstmöglicher Beeinträchtigung“.
Fazit
Die konservative und erst recht die operative Behandlung der Skoliose stellt auch heutzutage immer noch eine besondere Herausforderung für die Betroffenen, ihre Eltern und für die Behandelnden dar. Es gilt, den richtigen Zeitpunkt der einzelnen Behandlungsschritte sorgfältig abzuwägen, um zur rechten Zeit die richtige Behandlung einzuleiten.
Bei vielen idiopathischen Skoliosen steht am Ende der langen und aufwendigen Behandlung letztendlich vielleicht doch die Operation. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man die ersten Behandlungsschritte zugunsten der Operation einfach auslassen kann.
Man kann an einer gering- gradigen Skoliose nur in seltenen Fällen die Progredienz (also das Fortschreiten bzw. die Verschlechterung eines Krankheitszustandes) im Voraus ablesen. Nur durch das konsequente Tragen eines Korsetts in Verbindung mit den krankengymnastischen Übungen kann hier Verbesserung erreicht werden. Verzichtet man auf die oft strapazierende Behandlung, erreicht man eventuell nicht die gesetzten Ziele und verpasst mitunter dann auch den günstigsten Altersbereich für die dann oft nicht mehr vermeidbare Operation.
In wenigen Fällen ist eine konservative Behandlung ohne Korsett ausreichend, wenn man eine mehr oder weniger starke Krümmung und damit eine Deformierung des Rumpfes in Kauf nehmen will.
Man sollte sich aber auf jeden Fall davor hüten, zu behaupten, man könne eine Skoliose rein konservativ „wegbehandeln“.
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